Meine Bücher und Projekte
Mein Debütroman
All in Chains, früher unter #ProjectHurriance bekannt, ist mein Debütroman, welchen ich 2019 beendet und 2020 im Wreaders Verlag veröffentlicht habe. Die Geschichte handelt von Selbstliebe, Trauma, Verlust und ist sehr düster und emotional. Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Wenn Du mutig genug bist Romy und Cas kennenzulernen, darfst Du gerne runterscrollen, denn dort findest Du eine Leseprobe, den Klappentext und Leserstimmen.
FAQ
Seitenanzahl: 506
Preis: 17,50€
eBook: 7,99€
ISBN: 978-3967331240
Genre: Dark New Adult / Romantic Suspense
Empfohlenes Alter: 16 Jahre
Hier geht es zum Buchtrailer
Klappentext
Zwei Seelen, die zu einer einzigen verschmelzen.
Zwei Herzen, die im selben Takt schlagen.
Eine Dunkelheit, die uns verschlingt.
Die 18-jährige Romy lernt im Pandora Club in London Castor Thackeray kennen. Mit seinem schwarzen Mantel und der mysteriösen Aura zieht er sie sofort in seinen Bann. Doch Romy ahnt nicht, dass Cas in ein Netzwerk aus Lügen und Verrat verstrickt ist. Als sie wenige Wochen später auf einem Friedhof angegriffen wird, ist Cas gezwungen, sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen, denn er würde alles tun, um Romy zu beschützen. Er weicht nicht von ihrer Seite und verwickelt ihr Herz langsam, aber sicher in einen dunklen
Kampf ...
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Leserstimmen:
"Es ist nervenaufreibend, spannend und ich habe die ganze Zeit mitgefiebert. Großes Lob an die Autorin, für diese Atmosphäre. Große Leseempfehlung."
– @buecher_traumerin
"Es ist ein Jahreshighlight und mein Lieblingsbuch und ich hoffe, dass noch viele andere in die Welt von Cas und Romy eintauchen und daraus lernen können."
– @dreaming_emayla
"Unglaublich besonders, tiefgründig und fesselnd. All in Chains bietet eine spannende Geschichte mit einer besonderen Botschaft, authentischen und liebenswerten Charakteren, einem fesselnden Schreibstil, einer unerwarteten Tiefe und einer außergewöhnlichen Story."
– @dragonfly_books_
Illustration: Emily Aves
Leseprobe
Part 1: The End is where we begin - Thousand Foot Krutch
Kapitel 1
Der Sunpark ist wie üblich überfüllt. So kommt es mir jedenfalls vor.
„Nicht schon wieder", stöhnt Lia. „Diese Menschenmassen machen mich fertig."
„Ich bin nicht diejenige, die heute Abend feiern wollte", entgegne ich und betrachte die Schlange vor dem Club. Hoffentlich begegnen wir nicht wieder dem zu groß gewachsenen Türsteher mit dem zugeknöpften Sakko. Ein Muskelpaket, das mich an den Berg aus Game of Throneserinnert.
„Habe nur ich das Gefühl oder werden die immer länger?", entgegnet Lia und lässt ihren Blick über die Massen schweifen. Immer mehr Menschen strömen in den Club hinein. Wie ein Fischschwarm, der sich langsam, aber sicher in einem Netz verfängt.
„Sicher, dass wir da rein wollen?", erwidere ich und seufze.
„Nicht, dass du mir noch umkippst, so wie beim letzten Mal", meint Lia lachend und ich stoße sie in die Seite.
Vor zwei Wochen habe ich in einem Club mitten auf der Tanzfläche das Bewusstsein verloren. Dort waren einfach zu viele Menschen um mich herum, vor lauter Armen und Beinen konnte ich mich gar nicht richtig bewegen, von Tanzen ganz zu schweigen. Da ich vorher kaum etwas gegessen hatte, gab mir die stickige Luft dann den Rest und Lia, sowie zwei Sicherheitsleute mussten mich aus dem Club heraustragen.
Seitdem habe ich es eigentlich satt, feiern zu gehen, aber Lia schleppt mich immer wieder aufs Neue zu irgendwelchen Partys und Events, die sie auf Facebook entdeckt. Insgeheim ziehe ich sie manchmal mit dem Spitznamen „Queen of Pop" auf, denn ihre dunklen Haare, die sie sich zu einem Dutt hochgesteckt hat, erinnern mich ein bisschen an Michael Jackson. Vielleicht besteht ja eine unerklärliche mysteriöse Verwandtschaft zwischen den beiden.
„Also das ist mir eindeutig zu voll." Lia packt mich am Arm. „Letzte Woche war es ja schon schlimm, aber das heute übertrifft wirklich alles. Weißt du was, ich habe eine Idee!"
Oh nein, das verheißt nichts Gutes. Lias Ideen sind meist gewagt und alles andere als durchdacht. Bei ihren Plänen ist die Katastrophe vorprogrammiert.
„Wir sollten nach Hause", sage ich. „Wir können auch einen Film gucken. Ich rufe meinen Vater an, dann kann er uns abholen."
„Queen Lia braucht keinen Fahrdienst." Sie lacht.
Queen Lia? Ist das ihr Ernst? Zugegeben, meine beste Freundin ist ganz schön betrunken. Im Gegensatz zu mir hat sie zwei Wodkagemische und einen Kurzen intus.
„Also, was für eine großartige Idee hast du diesmal?", frage ich und verdrehe die Augen.
„Die Menschen im Sunpark sollen ersticken, wir lassen es heute Abend so richtig im Pandora krachen!" Dabei hebt sie die Hand wie Superman, der zu einer Rettungsmission aufbricht.
„Lia!" Ich packe sie an den Schultern. „Beruhige dich, die Leute starren uns an."
„Mir egal!", erwidert sie.
„Mir aber nicht!" Ich ziehe sie mit mir, weg vom Club und der Menschenmasse.
„Was sagst du? Wollen wir ins Pandora?"
Ich schüttele den Kopf. „Ich glaube, das ist keine gute Idee. Der Club hat keinen guten Ruf, außerdem sind wir noch nie dort gewesen ..."
„Genau deswegen ja! Ich will dort unbedingt mal hin, um zu sehen, ob er wirklich so gruselig ist wie alle behaupten."
„Er ist nicht gruselig, er ist einfach nur ... komisch", erwidere ich. „Die Leute dort sind anders."
„Ach, das sind doch auch nur Menschen. Vermutlich ist es dort leerer."
Ich seufze erneut. „Ich weiß nicht, Lia ..."
„Wenn du Angst hast, musst du ja nicht mitkommen." „Ich lasse dich bestimmt nicht alleine gehen."
Lia strahlt. „Gut, dann auf ins Pandora!"
Die Atmosphäre im Club erscheint mir wie ausgewechselt. War der Sunpark bunt und von Menschenmassen überflutet, ist es hier düster und kahl. Kaum eine Menschenseele hält sich auf den Straßen auf und das Ganze wirkt irgendwie unheimlich.
„Hältst du das immer noch für eine gute Idee?", frage ich. Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit. Wir sollten nicht hier sein. Die Stimmung in diesem Viertel kommt einem Friedhof gleich, nicht einer Party.
„Ich finde, es hat was. Ist mal was anderes." Lia grinst. „Bin gespannt, was wir da für Typen treffen."
„Hör mir auf." Ich schüttele den Kopf. Das Letzte, was ich will, ist, die Bekanntschaft irgendeines Drogendealers zu machen.
„Jetzt sei doch nicht so verklemmt, hab ein bisschen Spaß!" Meine beste Freundin hakt sich bei mir unter und gemeinsam betreten wir den Club. Er ist nicht mal wirklich ausgeschildert, nur ein Schild an der Tür - orange leuchtende Buchstaben - deutet darauf hin, dass wir uns im richtigen Raum befinden. Türsteher und Kontrolleure gibt es nicht.
„Was, wenn die Typen gefährlich sind?", frage ich. „Wenn sie uns überwältigen oder außer Gefecht setzen?"
„Schätzchen, das ist kein Kriminalfilm. Wir sind in einer Disco, wir wollen tanzen", erwidert Lia. Sie scheint sich kein bisschen Sorgen zu machen. „Ich bestell dir einen Drink, dann wirst du lockerer."
„Okay", sage ich und wirke nicht sonderlich überzeugt.
Im Club ist es größtenteils dunkel. Hin und wieder tauchen Scheinwerfer den Raum in Nebel und Licht. Es gibt keinen DJ. Die Musik dröhnt laut über Boxen durch den Raum. Die Tanzfläche ist voll, aber nicht überfüllt. Die meisten Menschen lungern betrunken an irgendwelchen, eher schäbig aussehenden Tischen. Das hier ist kein gutes Viertel. Mein Vater hat mich vor diesem Club gewarnt. Wenn er erfährt, dass ich hier bin ... Ich schlucke und nehme das Zeug entgegen, das Lia mir bestellt hat.
„Was ist das?", frage ich angewidert.
„Irgendwas. Rum. Wodka. Gin. Keine Ahnung." Sie zuckt die Schultern.
Na toll. Ich blicke mich um und würde am liebsten auf dem Absatz kehrt machen. Noch nie im Leben war mir ein Club so unsympathisch, aber Lia zerrt mich auf die Tanzfläche. Dabei verschütte ich fast mein Getränk.
„Wir sollten ..."
„Nicht nachdenken!", brüllt sie gegen die Musik an. „Einfach tanzen!"
Ich beiße mir auf die Lippe, würge noch einen Schluck des brennenden Alkohols hinunter und bewege mich langsam vor und zurück. Mit der Zeit komme ich auf den Geschmack und schwinge die Hüften im Takt. Trotzdem lässt mich das Unbehagen nicht los. Es hängt über mir wie eine Gewitterwolke und lähmt mich. Ein falscher Schritt und es ist vorbei. Eine Bewegung, die mich das Leben kosten könnte.
Lia dagegen wirkt völlig unbeschwert und tanzt, was das Zeug hält, sie stellt sämtliche andere Tänzer in den Schatten. Nach einer Weile gesellt sich ein Typ zu ihr, der anscheinend genauso betrunken ist wie sie selbst. Ich kann das Techtelmechtel der beiden nicht lange mit ansehen und versuche verzweifelt, mich auf den Takt der Musik zu konzentrieren. Besser als meinen Arsch am Schritt irgendeines Typen zu reiben.
Ich war beim Tanzen noch nie so verkrampft, abgesehen davon ist Techno so gar nicht mein Style. Ich bin kurz davor den Club allein zu verlassen und meinen Vater anzurufen, als mein Blick auf einen Tisch am Rand der Tanzfläche fällt. Männer in Jacketts lassen mich stutzen und zwischen ihnen entdecke ich einen Jungen, der kaum älter als zwanzig zu sein scheint. Er trägt einen schwarzen Mantel, der mir viel zu lang erscheint, sowie schwarze Lederschuhe. Sein Blick ist gesenkt, aber er hat dunkle Wimpern, die genauso schwarz funkeln wie sein Haar, welches ihm in die Stirn fällt. Er kann wirklich nicht viel älter sein als ich selbst.
Was macht er unter all diesen Leuten? Er sieht aus als wäre er der Firmenchef eines Unternehmens. Als er hochguckt, wende ich den Blick schnell ab und tue so als wäre ich den Takt der Musik vertieft, summe die Melodie irgendeines Songs mit, den ich eigentlich gar nicht kenne.
Doch der Anblick des Jungen lässt mich nicht mehr los. Er hat etwas Mysteriöses an sich, etwas, das ich nicht ganz einschätzen kann. Er wirkt, als wäre er aus einem Film entsprungen. Und da soll mir nochmal einer sagen, dieser Club wäre nicht gruselig. Der Typ hat definitiv Ähnlichkeiten mit Dracula. Ein Schauer läuft mir über den Rücken.
Ich sehe mich nach Lia um, doch ihr Haarschopf geht in den Neonlichtern und der mittlerweile überfüllten Tanzfläche unter. „Lia?" Ich stelle mich auf die Zehenspitzen, aber von meiner besten Freundin fehlt jede Spur. „Lia!" Mein Unbehagen verwandelt sich in Panik.
Verzweifelt umklammere ich mein Handy und rufe sie an. Ich lasse es zweimal klingeln, doch natürlich nimmt Lia nicht ab.
Menschen drängen sich um mich und zwingen mich immer weiter hinein in das Chaos. Verschwitzte Körper streifen meinen Rücken und ich zucke bei jeder Berührung zusammen.
„Lia?" Ich schüttele den Kopf. Wahrscheinlich befindet sie sich gar nicht mehr auf der Tanzfläche. Mein Herz pocht wie wild in meiner Brust, als ich mich an Menschen vorbeidränge und dabei beinahe mit einem knutschenden Paar zusammenstoße, die sich gegenseitig die Zungen in den Hals stecken. Ich presse mein Handy gegen meine Brust und stehe kurz davor, die Nummer meines Vaters zu wählen. Doch zuerst muss ich aus diesem verfluchten Club raus und zwar schleunigst.
Vielleicht kann mir einer der Kellner weiterhelfen. In diesem Raum muss es doch irgendwo einen Sicherheitsdienst geben ... Ich blicke mich um, doch alles was ich wahrnehme sind verdrehte Gliedmaßen, blitzendes, grelles Discolicht und der Geruch von Schweiß. Keine Spur von Lia.
Was, wenn der Typ sie irgendwohin verschleppt hat? Was, wenn sie gerade vergewaltigt wird und ich keine Möglichkeit habe zu ihr zu gelangen?
Zielstrebig steuere ich auf den Ausgang zu und schalte mein Handy ein, die Finger auf dem Display. Lias Nummer erscheint auf dem Tastenfeld und ich rufe sie ein drittes Mal an, sende diesmal sogar eine Voicemail.
Plötzlich stößt mich jemand von hinten an und das Handy rutscht mir aus der Hand. Krachend landet der Bildschirm auf dem Boden und zersplittert. Frustriert bücke ich mich nach dem Gerät. Der Bildschirm springt nicht an. Ganz toll. Das hat mir gerade noch gefehlt. Jetzt kann ich weder Lia noch meinen Vater erreichen.
Hoffnungslos presse ich meine Finger auf den dunklen Bildschirm, doch mein Handy hat den Geist aufgegeben. Den Tränen nahe drücke ich mich an den Rand der Tanzfläche und umklammere das kaputte Handy wie einen Schutzschild.
„Miss?" Erschrocken fahre ich herum. Der Barkeeper steht vor mir und auf seinem Tablett balanciert er ein alkoholisches Getränk.
„Ja?" Fragend sehe ich ihn an.
„Ihre Bestellung." Er reicht mir das Tablett.
„Ich habe nichts bestellt", antworte ich verwirrt und lehne das Getränk dankend ab.
„Mir wurde aufgetragen, es Ihnen zu bringen", erwidert der Barkeeper und drückt mir das Glas einfach in die Hand.
„Warten Sie!", rufe ich und stürze hinter ihm her. Er ist vielleicht meine einzige Chance, Lia jemals wiederzufinden.
„Warten Sie doch!", flehe ich. „Haben Sie ein braunhaariges Mädchen gesehen?"
Seine Silhouette verschwindet in der Dunkelheit und ich verliere sie im Neonlicht. Schließlich gebe ich es auf ihm zu folgen. Er hätte mir sowieso nicht weiterhelfen können.
Verdutzt starre ich auf die bräunliche Flüssigkeit, die ich noch immer in der Hand halte.
Was zum Teufel?
Mein Blick wandert erneut durch den Raum und bleibt an dem schwarzhaarigen Jungen hängen. Diesmal sind seine dunklen Augen starr auf mich gerichtet. Ich erwidere seinen Blick und fühle mich plötzlich verunsichert. Er starrt mich eindeutig an. Seine Präsenz lässt mich klein wirken, lässt mich Zentimeter um Zentimeter schrumpfen.
Der Junge zieht die Augenbrauen hoch, als wäre das hier eine Art Herausforderung, als würde er etwas von mir erwarten. Ich zucke mit den Schultern, da trifft mich die Erkenntnis wie ein Schlag:
Er hat das Getränk für mich bestellt. Es ist von ihm.
Aber warum? Bin ich ihm aufgefallen? Versucht er, meine Gunst zu gewinnen?
Ungläubig schüttele ich den Kopf. Ich werde mich hüten dieses Zeug zu trinken, vermutlich ist es vergiftet. Vermutlich gönnt er sich nur einen Spaß mit mir, um vor den adretten Männern zu protzen.
Verzweifelt suche ich auf der Tanzfläche nach Lia, nur um festzustellen, dass der Junge nicht mehr mit den anderen Männern am Tisch sitzt. Das Herz rutscht mir in die Hose. Wo ist er hin?
„Es ist harmlos", flüstert eine Stimme direkt hinter mir und vor Schreck schreie ich auf.
Das Glas fällt mir aus der Hand und zerschmettert auf dem Boden.
„Eine Schande", murmelt er, „und eine Verschwendung von Whiskey."
Ich weiche ein paar Schritte zurück. Der Junge steht direkt vor mir, in Fleisch und Blut. Wie ist er so schnell hierhergekommen? Eben saß er doch noch an dem Tisch ...
„Wie bist du ...?", stammele ich und versuche meinen rasenden Puls unter Kontrolle zu bekommen. Er wirkt wie ein Phantom. Halluziniere ich etwa? Ist das der Alkohol? Ich muss mir irgendwo den Kopf angeschlagen haben.
„Wenn du schlau wärst, würdest du mit deiner Freundin auf der Stelle verschwinden", erwidert der Junge ungerührt.
„Weißt du wo Lia ist?" Ich schlucke. Will mich dieser Typ bedrohen? Benutzt er Lia als Köder?
„Wenn du ihr etwas angetan hast ...", knurre ich. Verdammt, wieso habe ich mein Pfefferspray Zuhause vergessen?
„Keine Sorge, deiner Freundin geht es gut. Sie ist in den besten Händen. Jedoch sind Orte wie dieser hier gefährlich für Menschen wie dich." Seine Stimme klingt rau und tief. Sie geht mir durch Mark und Bein und verpasst mir eine Gänsehaut. Definitiv Dracula!
„Warum für Menschen wie mich?", will ich wissen und weiche seinem Blick aus.
„Du stellst zu viele Fragen." Der Junge verfolgt mich auf Schritt und Tritt, er lässt mich nicht aus den Augen. Seine Bewegungen wirken im Gegensatz zu meinen koordiniert und geschmeidig. „Ich wähle meine Opfer gezielt aus", fährt er fort.
Ist er ein Serienmörder oder Ähnliches? Oh mein Gott!
„Und ... was für ein Opfer bin ich?" Meine Stimme klingt rau und heiser. Ich bezweifele, dass der Junge mich überhaupt versteht.
„Keines." Er grinst und sieht mich an. „Noch nicht."
Diesmal halte ich seinem Blick stand. „Was willst du von mir?", frage ich und beiße mir auf die Lippe. „Ich ... ich werde bestimmt nicht dein Flittchen oder dein One-Night-Stand, das kannst du vergessen. Ich will nur meine Freundin finden und dann so schnell wie möglich von hier verschwinden. Also wenn du mir sagen könntest wo sie ist, wäre das eine große Hilfe. Sie hat braunes Haar und trägt einen schwarzen Rock, ihr Eyeliner ist meiner Meinung nach zu dick aufgetragen, aber du erkennst ihren stechenden Blick schon von Weitem." Meine Stimme zittert. Mein ganzer Körper zittert.
Ich will fort von ihm und versuche in der Dunkelheit unterzutauchen, wie der Barkeeper, doch der Junge packt mich am Handgelenk. Er zieht mich zu sich. Ich erstarre zu Eis, als sein Atem meinen Nacken streift.
„Ich weiß, wer du bist", flüstert der Junge dicht an meinem Ohr. „Du bist Romina Morris, Matthew Morris' Tochter. Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen."
Mir klappt die Kinnlade herunter. Woher weiß er das? Ich habe ihn noch nie in meinem ganzen Leben gesehen! Dieser Typ ist ein absoluter Fremder für mich.
„Und ich kann dir helfen, deine Freundin zu finden." Seine Bartstoppeln kitzeln an meiner Haut.
„Wie?", presse ich ängstlich hervor und das Herz schlägt mir bis zum Hals.
„Ich bin ein guter Menschenkenner und komme viel herum", entgegnet der Junge. Ich kann seine Oberschenkel an meinem Hintern spüren. Mein Gott.
„Außerdem", fügt er grinsend hinzu, „behalte ich gerne den Überblick darüber, wer meinen Club betritt und wer ihn wann wieder verlässt."
„Deinen Club?" Sprachlos starre ich ihn an. „Willst du damit sagen, dieser Schuppen hier gehört dir?"
Ein kurzes, knappes Nicken von dem Jungen.
„Bring mich zu meiner Freundin!", verlange ich. „Jetzt sofort. Du weißt wer hier ein und ausgeht, also weißt du auch wo Lia ist!"
„Alles zu seiner Zeit." Die Augen des Jungen schimmern im Neonlicht fast wie Diamanten.
„Nein, ich habe genug von deinen Spielchen. Lass mich los und bring mich zu ihr!"
„Nicht so voreilig. Wir haben noch gar nicht richtig angefangen." Das raue Lachen des Jungen verursacht mir eine Gänsehaut.
„Was willst du von mir?", frage ich wieder in der Hoffnung, dass er mich endlich loslässt.
„Das Wissen um deine Freundin wird dich etwas kosten", meint er und klingt dabei fast gleichgültig.
„Du bist verrückt!", stoße ich hervor und kann mich nur mit Mühe beherrschen, ihm nicht meine Faust in den Magen zu rammen. Der Typ muss völlig durchgeknallt sein.
Aber er ist leider auch heiß.
Verdammt heiß.
So heiß, dass mein gesamter Körper anfängt zu kribbeln. Hitze steigt in meine Wangen, als ich seine Konturen betrachte, der schlanke, aber muskulöse Körperbau, die dunklen Augen und Haare, im Kontrast zu der blassen Haut. Seine Hände, er hat unglaublich schmale Finger. Ich frage mich, ob sie so geschmeidig sind wie seine anmutigen Bewegungen.
„Was verlangst du von mir?", frage ich und wieder begegnet er mir mit einem verschmitzten Grinsen. Ich will kein Feigling sein und will nicht als Angsthase dastehen.
„Ich wusste doch, dass du kein braves Mädchen bist." Der Junge steht erneut dicht hinter mir und streift mit seiner Hand mein Haar.
Eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Körper aus und die Stelle, die er berührt hat, kribbelt. Schon jetzt übt er eine Anziehungskraft auf mich aus, der ich mich kaum entziehen kann.
„Deswegen treffen wir uns morgen im Hyde Park, um 21.00 Uhr. Wenn du wissen willst, wo deine Freundin ist, wirst du dieses Angebot annehmen. Ich rate dir, es anzunehmen, denn ansonsten wird das eine lange, unschöne Nacht für dich."
Die Worte geben mir den Rest. Meine Knie geben unter mir nach und der Junge packt mich, damit ich nicht falle. Ich habe das Gefühl zu träumen. Dieser Club ist nicht real. Dieses Gespräch nichts weiter als eine Illusion.
„Sachte", murmelt er.
„Wehe du erscheinst mit irgendwelchen Freunden oder willst mich entführen!", antworte ich und sehe ihn an.
Er erwidert meinen Blick unverwandt. „Glaub mir, das ist das Letzte was ich will. Ich stehe zu meinem Wort. Gibst du mir dein Versprechen, dass du dort sein wirst?"
Er lässt mir gelinde gesagt keine Wahl und er ist meine einzige Chance, Lia jemals lebend wiederzusehen. Ich schlucke und wünsche mir plötzlich, ich hätte den Whiskey vorhin doch getrunken.
„Okay", sage ich. „Ich verspreche es. Morgen um 21 Uhr im Hyde Park. Jetzt sag mir, wo Lia ist."
Er grinst selbstzufrieden und seine Lippen streifen ganz sanft meine Wange. „Deine Freundin ist in einem der Hinterzimmer. Ich schicke sie zu dir und erlaube euch zu gehen."
Seine Worte sind bloß ein Hauch. Meine Haut kribbelt dennoch wie verrückt und ich erröte, doch der Junge, das Mysterium in Person, ist schon in der Dunkelheit verschwunden.
Ich sehe ihm lange nach, spüre noch immer seinen Atem in meinem Nacken, höre seine raue, tiefe Stimme und nehme den frischen, männlichen Geruch wahr, der von ihm und seinem schwarzen Mantel ausging.
Ich kenne nicht einmal seinen Namen. Trotzdem bin ich dem Typen innerhalb weniger Minuten verfallen.
– Aus All in Chains von Isabel Lieshoff
Du willst wissen, wie es weitergeht? Zwei weitere Kapitel findest Du auf Wattpad unter: Leseprobe
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Wichtige Info
Ich wechsele nach Lust, Laune und Stimmung zwischen meinen Projekten, deshalb wird es vor 2027/2028 keine neue Veröffentlichung von mir geben. Ich nutze die nächsten zwei-drei Jahre zum Schreiben und plane ins Selfpublishing sowie auf Agentursuche zu gehen.